Balkonkraftwerk für zuhause oder Dach-PV – was passt besser zu dir?
Ein Balkonkraftwerk lohnt sich für viele Haushalte, wenn du
- keinen Platz oder kein Budget für eine große Dachanlage hast,
- tagsüber zumindest etwas Strom verbrauchst (Kühlschrank, Router, Standby, Homeoffice),
- einen halbwegs sonnigen Balkon, eine Terrasse oder Fassade nutzen kannst.
Eine klassische Photovoltaikanlage auf dem Dach ist meist wirtschaftlicher, wenn
- du ein eigenes Einfamilienhaus mit gutem Dach besitzt,
- du mehr investieren kannst und möglichst viel deines Jahresstrombedarfs selbst decken willst.
Für Mieterinnen und Mieter sowie Wohnungseigentümer ohne optimale Dachfläche ist ein Balkonkraftwerk oft der pragmatische Einstieg in Solarstrom. Für Hauseigentümer mit gutem Dach kann es ein erster Test sein – langfristig ersetzt es aber keine vollwertige Dach-PV.
Grundlagen: Was ist ein Balkonkraftwerk und für wen lohnt es sich besonders?
Ein Balkonkraftwerk (auch Steckersolar, Mini-PV oder Balkon-Solaranlage genannt) ist eine kleine Photovoltaikanlage, die du direkt an das Hausnetz anschließt. Typischer Aufbau:
- 1–4 Solarmodule mit jeweils grob 400–500 W Leistung
- 1 Wechselrichter, der den Gleichstrom der Module in haushaltsüblichen Wechselstrom umwandelt
- Anschlusskabel mit Stecker (meist Schuko oder spezieller Einspeisestecker)
Der erzeugte Strom fließt in dein Wohnungsnetz und versorgt zuerst deine eigenen Verbraucher. Nur was du gerade nicht brauchst, geht ins öffentliche Netz – dafür bekommst du bei Balkonkraftwerken in der Regel keine Vergütung.
Für wen lohnt sich ein Balkonkraftwerk besonders?
Typische Situationen, in denen ein Balkonkraftwerk sinnvoll ist:
- Mietwohnung mit Balkon oder Terrasse
Du kannst keine Dachanlage installieren, möchtest aber Stromkosten senken und deine Grundlast (Kühlschrank, Router, ggf. Homeoffice) teilweise mit Solarstrom decken. - Eigentumswohnung mit Südbalkon oder Fassade
Die Eigentümergemeinschaft erlaubt keine große PV-Anlage auf dem Dach, aber du willst die Fläche am Balkon oder an der Fassade nutzen. - Einfamilienhaus ohne (sofort) realisierbare Dach-PV
Dachsanierung steht noch an oder Budget ist begrenzt. Du möchtest Erfahrungen mit Solarstrom sammeln und später ausbauen. - Haushalte mit hohem Tagesverbrauch
Homeoffice, viele Geräte, tagsüber oft jemand zuhause – ein Teil des Verbrauchs kann direkt durch Solarstrom gedeckt werden.
Weniger sinnvoll ist ein Balkonkraftwerk, wenn du
- kaum tagsüber Strom verbrauchst (z. B. Single, der werktags fast nie zuhause ist),
- nur stark verschattete Flächen hast,
- gar keine Möglichkeit zur Montage (kein Balkon, keine geeignete Fassade, keine Zustimmung von Vermieter oder Eigentümergemeinschaft).
Rechtliche Grundlagen in Deutschland: Vermieter, Anmeldung, Sicherheit
Die rechtlichen Rahmenbedingungen für Balkonkraftwerke sind in Deutschland in den letzten Jahren deutlich erleichtert worden. Trotzdem solltest du einige Punkte beachten.
1. Vermieter und Eigentümergemeinschaft
- Mieter: Hol dir vor der Montage die Zustimmung deines Vermieters, vor allem wenn
- du in die Fassade bohren möchtest,
- sich die Optik des Hauses sichtbar verändert,
- Geländer statisch belastet werden.
- Eigentumswohnung: Prüfe die Regeln der Eigentümergemeinschaft. Oft ist eine Zustimmung nötig, wenn die Außenansicht betroffen ist.
Praktischer Tipp: Schicke deinem Vermieter eine kurze Beschreibung mit Fotos oder Skizze, wie und wo du das Balkonkraftwerk befestigen möchtest, und betone, dass es sich um eine kleine, steckfertige Anlage handelt.
2. Anmeldung beim Netzbetreiber und im Marktstammdatenregister
Für steckfertige Solaranlagen gelten vereinfachte Anmeldeverfahren. Üblich ist:
- Netzbetreiber informieren: Viele Netzbetreiber stellen ein Online-Formular speziell für Balkonkraftwerke bereit.
- Marktstammdatenregister: Kleine PV-Anlagen müssen dort registriert werden. Der Vorgang ist online möglich.
Da sich Details ändern können, gilt:
- Prüfe die aktuellen Anforderungen auf der Website deines Netzbetreibers.
- Halte Daten wie Modulleistung, Wechselrichterleistung und Standort bereit.
3. Technische Sicherheit und Hinweise von Fachgremien
Fachgremien geben Empfehlungen, wie Balkonkraftwerke sicher betrieben werden sollen. Typische Punkte sind:
- Verwendung eines geeigneten Wechselrichters für steckfertige Anlagen,
- Anschluss an einen Stromkreis, der fachgerecht installiert und abgesichert ist,
- Beachtung der Hinweise des Herstellers zu Steckertyp, Sicherungen und maximaler Einspeiseleistung.
Da Normen und Empfehlungen sich weiterentwickeln, solltest du vor der Installation
- die Montage- und Sicherheitshinweise des Herstellers sorgfältig lesen,
- im Zweifel eine Elektrofachkraft fragen, ob dein Stromkreis geeignet ist.
Technische Grundlagen: Leistung, Wechselrichter, Stecker einfach erklärt
1. Modulleistung und Wechselrichter
- Ein typisches Balkonkraftwerk besteht aus 1–4 Modulen mit jeweils etwa 400–500 W Nennleistung.
- Die Summe der Modulleistung kann höher sein als die maximale Ausgangsleistung des Wechselrichters. Das ist gewollt, weil die Module selten ihre Nennleistung erreichen.
- Der Wechselrichter begrenzt, wie viel Leistung tatsächlich ins Hausnetz eingespeist wird.
2. Steckertypen und Anschluss
Häufige Varianten:
- Schuko-Stecker
Lässt sich in eine normale Haushaltssteckdose stecken. Viele Hersteller bieten ihre Sets so an. Prüfe, ob der Hersteller den Betrieb an Schuko ausdrücklich zulässt. - Spezielle Einspeisestecker
Werden in eine passende Einspeisesteckdose gesteckt. Sie erfordern meist eine Anpassung der Hausinstallation durch eine Elektrofachkraft.
Ist ein eigener Stromkreis notwendig?
Für typische Balkonkraftwerke ist kein eigener Stromkreis Pflicht, solange
- der vorhandene Stromkreis fachgerecht installiert ist,
- die Gesamtlast (Haushaltsgeräte + Balkonkraftwerk) die zulässige Belastung nicht überschreitet.
Sinnvoll ist ein eigener Stromkreis oder eine Prüfung durch eine Elektrofachkraft, wenn
- die Elektroinstallation sehr alt ist,
- bereits viele leistungsstarke Geräte an derselben Leitung hängen.
Direkter Anschluss an die Steckdose – was ist wichtig?
Viele Systeme sind dafür ausgelegt, direkt über einen Stecker in das Hausnetz einzuspeisen. Achte dabei auf:
- Freigabe des Herstellers für den gewählten Steckertyp,
- mechanisch sichere Steckverbindung (keine Zugbelastung, keine Stolperfallen),
- trockene, witterungsgeschützte Position der Steckdose oder geeignete Außensteckdose,
- keine improvisierten Verlängerungen oder Mehrfachsteckdosen, wenn der Hersteller das ausschließt.
Bei Unsicherheit zur vorhandenen Elektroinstallation ist es sinnvoll, eine Elektrofachkraft einzubeziehen.
Standortwahl: Balkon, Terrasse, Fassade – worauf du achten solltest
Die Standortwahl entscheidet maßgeblich über den Ertrag. Prüfe systematisch:
1. Ausrichtung
- Süden: In der Regel der höchste Ertrag.
- Osten/Westen: Gut geeignet, vor allem wenn morgens oder abends viel Strom verbraucht wird.
- Norden: Meist deutlich geringerer Ertrag, oft nicht empfehlenswert.
2. Neigungswinkel
- Senkrechte Montage am Balkongeländer ist möglich, bringt aber weniger Ertrag als eine leicht geneigte Fläche.
- Auf der Terrasse kannst du Module oft mit Gestellen im optimaleren Winkel aufstellen.
3. Verschattung
- Bäume, Nachbarhäuser, Dachüberstände oder andere Balkone können die Leistung stark reduzieren.
- Schon wenige Stunden Vollschatten zur Mittagszeit können den Tagesertrag deutlich drücken.
4. Statik und Befestigung
- Das Geländer muss das zusätzliche Gewicht sicher tragen.
- Befestigungssysteme sollten für Windlasten ausgelegt sein.
- Auf der Terrasse sind beschwerte Aufständerungen (z. B. mit Betonplatten) üblich.
5. Sicherheit und Optik
- Module dürfen nicht herabstürzen oder sich lösen können.
- In Mehrfamilienhäusern spielt die Optik eine Rolle – sprich Vermieter oder Eigentümergemeinschaft an.
Wirtschaftlichkeit: Beispielrechnung und Amortisation grob einschätzen
Konkrete Zahlen hängen von vielen Faktoren ab (Strompreis, Standort, Ausrichtung, Verschattung). Eine grobe Orientierung hilft aber bei der Entscheidung.
1. Typische Anlagengröße
- Viele Balkonkraftwerke nutzen 2 Module mit je etwa 400–500 W.
- Die Modulleistung liegt damit im Bereich von rund 800–1000 W.
- Die tatsächlich ins Hausnetz abgegebene Leistung wird durch den Wechselrichter begrenzt.
2. Ertrag grob abschätzen
Die Jahresstromproduktion hängt ab von
- Sonneneinstrahlung am Standort,
- Ausrichtung und Neigung,
- Verschattung.
Für eine grobe Abschätzung kannst du so vorgehen:
- Prüfe beim Hersteller oder in Ertragsrechnern, welche Jahreserträge für deine Region und Ausrichtung typischerweise angenommen werden.
- Ziehe bei suboptimaler Ausrichtung oder Verschattung einen Sicherheitsabschlag ab.
- Multipliziere den erwarteten Jahresertrag mit deinem Strompreis, um die mögliche jährliche Ersparnis abzuschätzen.
3. Amortisation verstehen
Die Amortisationszeit ist die Zeit, bis die eingesparten Stromkosten die Anschaffungskosten ungefähr ausgleichen. Sie hängt ab von
- Anschaffungskosten (Komplettset, ggf. Montagezubehör),
- möglicher Förderung,
- deinem tatsächlichen Eigenverbrauch des Solarstroms,
- Entwicklung des Strompreises.
Je mehr des erzeugten Stroms du direkt selbst verbrauchst, desto schneller rechnet sich das Balkonkraftwerk. Wenn du tagsüber kaum zuhause bist und viel einspeist, verlängert sich die Amortisationszeit.
Praktischer Tipp: Notiere dir deinen typischen Tagesverbrauch (z. B. aus dem Smart Meter oder manuellen Zählerständen) und vergleiche ihn mit der geplanten Anlagengröße. Wenn deine Grundlast tagsüber deutlich unter der maximalen Einspeiseleistung liegt, ist eine kleinere Anlage oft wirtschaftlicher.
Förderungen und regionale Besonderheiten im Blick behalten
Viele Städte, Gemeinden oder Energieversorger haben zeitweise Förderprogramme für Balkonkraftwerke aufgelegt. Die Bedingungen ändern sich jedoch regelmäßig. So gehst du vor:
- Kommunale Förderung prüfen
Informiere dich bei Stadt, Gemeinde oder Landkreis, ob aktuell Zuschüsse für Balkonkraftwerke angeboten werden. - Förderbedingungen genau lesen
Gibt es Mindest- oder Maximalleistungen? Müssen bestimmte Hersteller oder Installationsarten verwendet werden? Ist eine vorherige Antragstellung nötig, bevor du kaufst? - Fristen und Nachweise beachten
Rechnungen, Fotos der Installation oder Bestätigungen des Netzbetreibers können verlangt werden. - Steuerliche Aspekte prüfen
Für kleine PV-Anlagen wurden steuerliche Regeln vereinfacht. Ob und wie das für dein Balkonkraftwerk gilt, klärst du am besten mit einer steuerlichen Beratung oder den aktuellen Informationen der Finanzverwaltung.
Vergleich im Überblick: Balkonkraftwerk vs. klassische PV-Anlage auf dem Dach
| Kriterium | Balkonkraftwerk für zuhause | PV-Anlage auf dem Dach |
|---|---|---|
| Typische Zielgruppe | Mieter, Wohnungseigentümer, Hauseigentümer mit kleinem Budget oder ohne geeignetes Dach | Hauseigentümer mit eigenem Dach und Investitionsbereitschaft |
| Investitionshöhe | Deutlich geringer, oft als Komplettset erhältlich | Mehrere Größenordnungen höher, Planung und Montage durch Fachbetrieb |
| Installationsaufwand | Meist selbst montierbar, steckfertig, vereinfachte Anmeldung | Fachplanung, Dacharbeiten, Gerüst, umfangreichere Anmeldung |
| Maximale Leistung | Begrenzt, da nur wenige Module eingesetzt werden | Deutlich höher, kann großen Teil des Jahresstrombedarfs decken |
| Wirtschaftlichkeit pro kWh | Gut, wenn viel Eigenverbrauch tagsüber; begrenztes Einsparpotenzial insgesamt | Oft sehr gut, da große Strommengen erzeugt werden; höhere absolute Ersparnis |
| Flexibilität | Relativ leicht ab- und wieder aufzubauen, z. B. beim Umzug | Fest mit dem Gebäude verbunden, Umzug ist aufwendig |
| Genehmigungen und Abstimmungen | Vermieter/Eigentümergemeinschaft einbinden, vereinfachte Verfahren beim Netzbetreiber | Umfangreichere Abstimmungen, ggf. bauliche Anforderungen |
| Beitrag zur Autarkie | Reduziert Strombezug, aber deckt meist nur Grundlast | Kann großen Anteil des Jahresverbrauchs abdecken, besonders mit Speicher |
Wer sollte welches System wählen?
- Balkonkraftwerk: Ideal, wenn du zur Miete wohnst oder eine Eigentumswohnung hast und ohne großen Aufwand in Solarenergie einsteigen möchtest.
- Dach-PV: Sinnvoll, wenn du ein eigenes Haus mit geeignetem Dach besitzt und langfristig möglichst viel deines Stroms selbst erzeugen willst.
Entscheidungskriterien: Wann ist ein Balkonkraftwerk die passende Lösung?
Stelle dir folgende Fragen, um zu entscheiden, ob ein Balkonkraftwerk für zuhause passt:
- Habe ich eine geeignete Fläche?
Balkon, Terrasse oder Fassade mit möglichst Süd-, Ost- oder Westausrichtung? Ausreichend stabil und ohne dauerhafte Verschattung? - Darf ich dort etwas montieren?
Zustimmung von Vermieter oder Eigentümergemeinschaft vorhanden oder realistisch? - Wie ist mein Stromverbrauch verteilt?
Bin ich oder sind Geräte tagsüber regelmäßig aktiv? Habe ich eine Grundlast von mehreren Hundert Watt (Kühlschrank, Router, Standby, ggf. Aquarium, Server, Homeoffice)? - Wie hoch ist mein Budget?
Reicht es für ein Balkonkraftwerk-Komplettset und ggf. Zubehör? Möchte ich später auf eine größere Anlage erweitern? - Wie lange will ich in der Wohnung/im Haus bleiben?
Bei geplantem Umzug: Balkonkraftwerk ist relativ leicht mitzunehmen.
Wenn du die meisten Fragen positiv beantworten kannst, ist ein Balkonkraftwerk ein guter Einstieg in Solarenergie.
Schritt-für-Schritt-Checkliste: Von der Idee bis zur Inbetriebnahme
Nutze diese praktische Checkliste als roten Faden:
- Stromverbrauch und Grundlast prüfen
Zählerstände an mehreren Tagen zu unterschiedlichen Zeiten notieren. Abschätzen, wie viel Leistung tagsüber dauerhaft benötigt wird. - Standort auswählen
Balkon, Terrasse oder Fassade auf Ausrichtung, Verschattung und Stabilität prüfen. Fotos machen, um sie Vermieter oder Fachleuten zu zeigen. - Vermieter/Eigentümergemeinschaft ansprechen
Kurz erklären, was ein Balkonkraftwerk ist und wie es befestigt wird. Schriftliche Zustimmung einholen, vor allem bei Bohrungen oder Fassadenmontage. - Fördermöglichkeiten recherchieren
Bei Stadt, Gemeinde oder Energieversorger nach aktuellen Programmen suchen. Bedingungen und Fristen notieren. - Passendes Komplettset auswählen
Leistung und Größe an deine Fläche und Grundlast anpassen. Auf zertifizierte Wechselrichter und passende Steckerlösung achten. Montagezubehör (Halterungen, Kabel, ggf. Ballast) mit einplanen. - Elektroinstallation prüfen lassen (bei Unsicherheit)
Vor allem in Altbauten eine Elektrofachkraft fragen, ob der geplante Stromkreis geeignet ist. Ggf. Außensteckdose oder Einspeisesteckdose installieren lassen. - Netzbetreiber und Marktstammdatenregister
Aktuelle Anforderungen und Formulare beim Netzbetreiber prüfen. Anlage im Marktstammdatenregister registrieren, falls erforderlich. - Montage und Anschluss
Module nach Anleitung montieren und sicher befestigen. Kabel ordentlich verlegen, Stolperfallen vermeiden. Wechselrichter anschließen und erst dann mit dem Hausnetz verbinden. - Funktion kontrollieren
Wechselrichter-LEDs oder App prüfen. Stromzähler beobachten, ob sich der Verbrauch tagsüber reduziert. - Laufenden Betrieb optimieren
Wenn möglich, Waschmaschine, Spülmaschine oder andere Verbraucher in Sonnenzeiten laufen lassen. Anlage regelmäßig visuell kontrollieren (Befestigung, Verschmutzung).
Typische Fehler und Sicherheitsaspekte beim Balkonkraftwerk
Häufige Fehler
- Ungeeigneter Standort
Starke Verschattung durch Bäume oder Nachbarbalkone, Nordausrichtung ohne nennenswerte Sonneneinstrahlung. - Überdimensionierung ohne Eigenverbrauch
Große Modulleistung, aber kaum Tagesverbrauch – viel Strom wird ungenutzt eingespeist. - Unsichere Befestigung
Provisorische Halterungen, die Windlast nicht standhalten. Module, die über Gehwege oder Parkplätze ragen und bei Sturm zur Gefahr werden können. - Missachtung von Herstellerangaben
Falscher Steckertyp, nicht zulässige Verlängerungskabel oder Mehrfachsteckdosen. - Fehlende Abstimmung mit Vermieter
Installation ohne Zustimmung kann zu Konflikten und Rückbau führen.
Sicherheitsaspekte
- Mechanische Sicherheit: Halterungen und Befestigungen müssen für Wind und Schnee ausgelegt sein. Schrauben regelmäßig kontrollieren.
- Elektrische Sicherheit: Nur zugelassene Komponenten verwenden, keine improvisierten Kabelbasteleien. Bei Unsicherheit eine Elektrofachkraft einbeziehen.
- Brandschutz: Wechselrichter nicht in geschlossenen, schlecht belüfteten Räumen betreiben. Auf ausreichende Wärmeabfuhr achten.
- Witterungsschutz: Steckverbindungen und Kabel vor direktem Regen und Staunässe schützen, UV-beständige Kabel verwenden.
Wer sollte eher ein Balkonkraftwerk, wer eher eine Dach-PV wählen?
Balkonkraftwerk – passende Profile
- Du wohnst zur Miete oder in einer Eigentumswohnung und hast einen nutzbaren Balkon.
- Du möchtest mit überschaubarem Budget starten und Solarstrom ausprobieren.
- Du willst eine Lösung, die du im Zweifel beim Umzug mitnehmen kannst.
Dach-PV – passende Profiles
- Du besitzt ein Einfamilienhaus mit geeignetem Dach.
- Du planst langfristig und möchtest einen großen Teil deines Strombedarfs selbst decken.
- Du bist bereit, mehr Zeit und Geld in Planung und Umsetzung zu investieren.
Kombination
- Manche Hauseigentümer starten mit einem Balkonkraftwerk, um Erfahrungen zu sammeln, und planen später eine größere Dachanlage.
- Ein Balkonkraftwerk kann auch ergänzend sinnvoll sein, z. B. an einer Fassade mit guter Ausrichtung, wenn das Dach bereits belegt ist.
Entscheidungs-Checkliste: Passt ein Balkonkraftwerk zu meiner Situation?
Nutze diese Entscheidungshilfe:
- Ich habe eine geeignete Fläche (Balkon, Terrasse, Fassade) mit Sonne für mehrere Stunden am Tag.
- Mein Vermieter oder die Eigentümergemeinschaft ist grundsätzlich offen für die Installation.
- Ich oder meine Geräte verbrauchen tagsüber regelmäßig Strom (Grundlast vorhanden).
- Ich bin bereit, mich kurz mit Anmeldung und Registrierung zu beschäftigen.
- Ich habe ein Budget für ein Balkonkraftwerk-Komplettset und ggf. Montagezubehör.
- Ich möchte meine Stromkosten senken und einen Beitrag zur Energiewende leisten.
Wenn du die meisten Punkte mit „Ja“ beantworten kannst, stehen die Chancen gut, dass sich ein Balkonkraftwerk für zuhause lohnt.
Vertiefende Informationen und nächste Schritte
Wenn du tiefer einsteigen möchtest, helfen dir weiterführende Ratgeber auf dieser Seite, zum Beispiel speziell für Mietwohnungen, für Einsteiger oder mit detaillierten Rechenbeispielen zur Wirtschaftlichkeit.
FAQ zum Balkonkraftwerk für zuhause
Wie groß dürfen Balkonkraftwerke ohne Genehmigung sein?
Für steckfertige Solaranlagen gelten vereinfachte Regeln, die sich auf eine begrenzte elektrische Leistung beziehen. In der Praxis haben sich Sets mit ein bis vier Modulen und einem passenden Wechselrichter etabliert. Da sich technische und rechtliche Rahmenbedingungen weiterentwickeln, solltest du vor dem Kauf beim Netzbetreiber und im Produktdatenblatt prüfen, welche maximale Leistung aktuell empfohlen oder zugelassen ist.
Wie viel Geld kann ich mit einem typischen Balkonkraftwerk sparen?
Die Ersparnis hängt von mehreren Faktoren ab:
- Jahresertrag der Anlage (abhängig von Standort, Ausrichtung, Verschattung),
- deinem Strompreis,
- wie viel des erzeugten Stroms du direkt selbst verbrauchst.
Um eine grobe Vorstellung zu bekommen, kannst du so rechnen:
- Erwarteten Jahresertrag (kWh) aus Herstellerangaben oder Ertragsrechnern entnehmen.
- Mit deinem Strompreis pro kWh multiplizieren.
- Einen Abschlag einplanen, falls du nicht den gesamten Strom selbst verbrauchst.
So erhältst du eine Schätzung deiner jährlichen Einsparung. Je höher dein Eigenverbrauchsanteil, desto größer die Ersparnis.
Ist ein eigener Stromkreis für ein Balkonkraftwerk notwendig?
Ein eigener Stromkreis ist in vielen Fällen nicht zwingend erforderlich. Wichtig ist, dass
- der vorhandene Stromkreis fachgerecht installiert ist,
- die Gesamtbelastung aus Haushaltsgeräten und Balkonkraftwerk die zulässige Stromstärke nicht überschreitet.
In Altbauten oder bei unsicherem Zustand der Elektroinstallation ist es sinnvoll, eine Elektrofachkraft zu fragen, ob der geplante Anschluss so sicher ist oder ein eigener Stromkreis eingerichtet werden sollte.
Wie schließe ich ein Balkonkraftwerk sicher an das Hausnetz an?
Viele Balkonkraftwerke sind für den direkten Anschluss an eine Steckverbindung vorgesehen. Achte unbedingt darauf, dass
- der Hersteller den Betrieb mit dem gelieferten Stecker ausdrücklich vorsieht,
- die Steckdose in gutem Zustand ist und nicht überlastet wird,
- keine Mehrfachsteckdosen oder Verlängerungskabel verwendet werden, wenn der Hersteller das ausschließt,
- die Steckverbindung vor Feuchtigkeit geschützt und mechanisch entlastet ist.
Bei Unsicherheit ist es ratsam, eine Elektrofachkraft zu Rate zu ziehen, insbesondere in älteren Gebäuden.
Brauche ich eine spezielle Versicherung für mein Balkonkraftwerk?
Einige Hausrat- oder Wohngebäudeversicherungen schließen Balkonkraftwerke bereits ein, andere verlangen eine Meldung oder einen Zusatzbaustein. Prüfe die Bedingungen deiner bestehenden Versicherung und frage nach, ob dein Balkonkraftwerk mitversichert ist, insbesondere gegen Sturm, Hagel und Diebstahl.
Was passiert mit dem überschüssigen Strom?
Strom, den du in dem Moment nicht selbst verbrauchst, fließt ins öffentliche Netz. Für typische Balkonkraftwerke wird dieser Überschuss in der Regel nicht vergütet. Deshalb ist es wirtschaftlich sinnvoll, möglichst viel Strom dann zu verbrauchen, wenn die Sonne scheint – etwa indem du Wasch- oder Spülmaschine in diese Zeiten legst.





